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„Ich bin glücklich, dass ich hier arbeiten darf“

Mit diesen Worten fasst Rafael del Corral Sánchez seinen beruflichen Neustart in Deutschland zusammen. Der 35-jährige gebürtige spanische Chemie-Ingenieur aus Malaga arbeitete dort sieben Jahre in einem Chemieunternehmen als Laborleiter. Dann kam die Krise, sein Arbeitgeber musste Insolvenz anmelden. Wie viele andere Arbeitnehmer in Spanien stand der junge Familienvater plötzlich auf der Straße.

Doch der Ingenieur hatte doppeltes Glück: zunächst hatte er die Entscheidung gefällt, seine Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu gehen: „in Deutschland sitzen die besten Unternehmen“, fasst Sánchez seinen Entschluss zusammen. Bei seiner Wahl fielen auch seine Sprachkenntnisse ins Gewicht – er hatte zuvor drei Jahre an der spanischen Volkshochschule Deutsch gelernt.

Diese Umstände allein verschafften ihm aber noch nicht eine feste Anstellung in Deutschland. Dass er schließlich in Hildesheim bei dem Chemie-Spezialisten Petrofer einen Arbeitsvertrag erhielt, verdankt er zwei günstigen Ereignissen: in Malaga lernte er zufällig Ruth Schwencker kennen, bei der er für die Zeit der Arbeitsuche und eines Deutschkurses an der Hildesheimer Volkshochschule kostenfrei wohnen konnte. Bernd Cast, einen der Hildesheimer JobPATEN, lernte er bei einem von der Hildesheimer Volkshochschule veranstalteten Forum kennen, wo sich deutsch- und spanischsprachige Interessierte regelmäßig zu einem zwanglosen Meinungsaustauch treffen. Bernd Cast kennt sich sowohl in Spanien, wo er fünf Jahre gearbeitet hat, als auch in der niedersächsischen Wirtschaft gut aus. „Möglicherweise hätte ich selbst gar keine Initiativbewerbung zu meinem derzeitigen Arbeitgeber gesendet. Doch nach einigen Wochen intensiver Vorbereitung mit meinem PATEN, Herrn Cast, habe ich die Mappe abgeschickt, zum Glück mit Erfolg, ich bin ihm sehr dankbar“, freut sich Sánchez heute.

Seine Bewerbung stieß bei der Firma Petrofer sofort auf Gegenliebe. Das hing nicht nur mit dem wachsenden Engagement des Unternehmens in spanischsprachigen Märkten zusammen. Sondern auch mit der Tatsache: “die chemische Sprache ist auf der ganzen Welt gleich, kommentiert der Laborleiter Mühl, der Sánchez als Trainee eingestellt hatte. „Er schlägt sich gut, er wird seinen Weg machen“, versichert er.

Sánchez ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Sein Sohn ist vier Jahre alt und die kleine Tochter wurde im September geboren. Aufgrund der zeitlichen Umstände konnte er sie erst im Dezember, anlässlich des Umzugs der Familie nach Hildesheim, wieder sehen.

Der Spanier ist dankbar und froh über das Erreichte: “Ich bin glücklich, dass ich hier arbeiten darf und dass ich mit meiner Familie hier eine neue Perspektive habe“, fasst er seine Erfolgsstory zusammen.

 

„Erstes Ziel: Deutsch und Praktikum“

v.l.n.r.:Cassandra Balde Concalves, (Schüler),Dr. Shahab Behjat (Pate),Andreas Jaacks (Pate),Dr. Shahab Behjat (Pate),Olivier Sossou (Schüler),Safiullah Khan (Schüler),Ulrich von Borstel (Pate),Heiner Orgass (Klassenlehrer)

So beschreiben die drei neuen Schüler der Hamburger Stadtteilschulein der Maretstraße ihre derzeitigen Prioritäten.
Cassandra Balde Cobcalves ist 15 Jahre, kommt aus Portugal und lebt seit fünf Monaten in Deutschland. Auch Suffiullah Kahn ist 15 Jahre alt, stammt aus Afghanistan uns ist seit zehn Monaten hier. Im Gegensatz dazu ist Oliver Sossou 16 Jahre alt, stammt aus Togo und ist vor sechs Monaten eingereist. Diesen drei jungen Menschen ist einiges gemeinsam: Sie leben erst kurze Zeit in Deutschland, kennen nur ein wenig die deutsche Sprache und bauen auf die Ausbildungsbrücke.
Mit Hilfe ihrer PATEN ist es ihnen bereits gelungen, die Vorbereitungsklasse ihrer Stadtteilschule zu besuchen und so mit Elan ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Dies ist ihnen aber nicht genug: Sie möchten – wie dies für die Schülerinnen und Schüler ihrer Schule in der neunten und zehnten Klasse obligatorisch ist - freiwillig ebenfalls ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren. „Wir möchten durch das Praktikum noch besser Deutsch lernen und später bessere Jobchancen haben, als wir sie ohne Praktikum hätten“, erklären die Jugendlichen ihr erstes Ziel.
Olivier, dessen Vater Putzmann ist,  fügt noch hinzu: „Ich möchte zeigen, dass auch ein Kind aus Togo einen erfolgreichen Beruf haben kann.“ Am liebsten würde er ein Praktikum bei einem Arzt oder am Flughafen machen. Auch Cassandra und Safiullah haben konkrete Vorstellungen für ihr Praktikum: Sie möchte in einem Hotel oder im Einzelhandel arbeiten, er strebt die Gastronomie oder eine Bäckerei an.
Die Zeichen dafür stehen gut: Mit Hilfe ihrer PATEN haben die drei Schüler Bewerbungen entworfen, geschrieben und versandt, nachdem die PATENzuvor Ansprechpartner für verschiedene Praktikantenplätze gefunden hatten. Erste Vorstellungstermine waren erfolgreich.
„Das ist auch gut so, denn bis Januar, wenn das Praktikum beginnt, ist nicht mehr viel Zeit“, sagt der PATE von Olivier, Ulrich von Bostel. Zu seiner Motivation befragt, gerade Olivier als PATE zu begleiten, sagt von Bostel:“ Ich unterstütze Olivier gerne, weil es schade wäre, wenn er seine offensichtlich vorhandenen Fähigkeiten nur wegen seiner Migration aus Togo nicht nutzen könnte.“

 

 

„Ins kalte Wasser gesprungen“

v.l.n.r.: Michaela Arlinghaus, Sabine Köbbemann

Mit diesen Worten beschreibt Sabine Köbbemann, 48-jährige Werbekauffrau aus Münster, das Ende ihrer erfolgreichen Klientenzeit mit ihrer JobPATIN. Sie hat sich inzwischen erfolgreich selbstständig gemacht.
Und das ist ihre Story: Frau Köbbemann wurde durch Standortaufgabe, Betriebsschließung und Werksübernahme nach 15 Jahren Unternehmenszugehörigkeit am 01.12.2010 arbeitslos. Nach etlichen vergeblichen Bewerbungen wurde sie über eine Bekannte auf das PATENMODELL aufmerksam. Kurz nachdem sie sich in die Datenbank eingetragen hatte, hat sie ihre JobPATIN, die Kommunikationswissenschaftlerin Michaela Arlinghaus aus Münster, getroffen.
„Das war für mich ein Glücksfall, die Chemie stimmte und endlich hat sich jemand Zeit für mich genommen, mir zugehört und mich beraten“, erinnert sich Frau Köbbemann.
Für die JobPATIN stellte sich die Situation so dar: Ihre Klientin sei recht entmutigt zu ihr gekommen. Mit viel Nachfragen, z. B. was zu den Fähigkeiten passe und wie der geeignete Job aussehen sollte, sei bei beiden die zündende Idee gekommen: Der Sprung in die Selbstständigkeit, schmunzelt Arlinghaus.
Denn Frau Köbbemann wollte weiter als Medienproduktionerin tätig sein, also das Gleiche machen, wie in der Firma, in der sie bislang angestellt war. „Dass ich mich nach nur fünf Monaten Coaching bewusst mit dem gleichen Beruf selbstständig gemacht habe, verdanke ich vor allem meiner PATIN, lächelt sie.
Aber auch die JobPATIN zieht positive Bilanz: „Es ist eine eindeutige win-win-Situation. Auch ich lerne Neues – mit jedem einzelnen Kontakt. Man muss sich nur Zeit nehmen und andere wertschätzen. Außerdem gebe ich damit etwas an die Gesellschaft zurück, was ich in meinem Leben ebenso als Unterstützung von außen erfahren durfte“, beschreibt Arlinghaus ihre Motivation.

 

Eine außergewöhnliche PATENSCHAFT

(v.l.)Frau Steiner, Frau Decker und Herr Ernst imStudio-Interview bei der NDR Moderatorin Julia Vogt

Als Frau Steiner im Sept. 2009 bei der Agentur für Arbeit von der Möglichkeit erfuhr, dass es das PATENMODELL der Diakonie gibt, mit Menschen die sich freiwillig und ehrenamtlich als PATE zur Verfügung stellen und gute Tipps bei der Jobsuche geben, war sie sofort begeistert und trug sich in der Datenbank als Arbeitsuchende ein. Es dauerte nur einen Monat bis Frau Decker die PATENSCHAFT übernahm.
Als ehemalige Unternehmerin, die sich aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen und darauf hin eine Ausbildung als Coach absolviert hat, bringt Frau Decker ideale Voraussetzungen für die Arbeit als PATIN mit:  Lebenserfahrung, Erfahrung beim Führen von Mitarbeitern, finanzielle und zeitliche Unabhängigkeit und den Willen für die Mitmenschen (und damit auch für sich selbst) etwas Gutes zu tun.
Und so beginnt die Arbeit: Bewerbungsmappe optimieren, Bewerbungsgespräche üben, wie präsentiere ich mich im Vorstellungsgespräch, wie bewerbe ich mich initiativ im Unterschied zu Stellenanzeigen usw. usw.: die Arbeitsphase der PATENSCHAFT.
Als das PATENMODELL aus Hildesheim zum 15.12.09 eingeladen wird, sich in der „Plattenkiste“ vom NDR zu präsentieren, sagt Frau Steiner sofort zu, gemeinsam mit Frau Decker und dem zuständigen Koordinator Herrn Ernst nach Hannover zu fahren. Dort berichten die drei live im Studio vom PATENMODELL.
Den i-Punkt des Gespräches kann jedoch Frau Steiner setzten:sie hat nach kurzer, intensiver Beratungszeit einen neuen Job in der Kosmetik-Branche gefunden.

 

Mit Beharrlichkeit zum Erfolg - Erfolgsstory Heinbokel / Richter

Dennis Richter(li.) mit Jobpate Robert Heinbokel

Dennis Richter hatte sein Aufbaustudium in Speyer im Bereich Verwaltungswissenschaften abgeschlossen, nachdem er schon vorher Politikwissenschaften in Münster studiert hatte. An ausreichender Qualifikation mangelte es ihm also nicht. Nachdem er schon viele Bewerbungen geschrieben hatte und sich nach einem Jahr noch keine Perspektive für ihn zeigte, schöpfte er Hoffnung, als sein Vermittler bei der Arbeitsagentur ihn auf das PATENMODELL aufmerksam machte. Dort trug er sich in der Datenbank als Arbeitssuchender ein. Nach einer knapp einmonatigen Wartezeit übernahm Herr Heinbokel die PATENSCHAFT.

Herr Heinbokel kennt als ehemaliger Geschäftsführer des Krankenhauses Alfeld die Sorgen und Nöte von Mitarbeitern. Jahrelang hatte er selber die Verantwortung dafür, dass in „seinem“ Krankenhaus der richte Mensch auf dem richtigen Platz sitzt. Er meint: „ Ich hatte schon immer viel Verständnis für soziale Fragen und das Positive, was ich in meinem (Arbeits) Leben erfahren habe, kann ich als JobPATE in gewisser Weise den Menschen wieder zurückgeben“.

Nach einer Kennenlernphase wurde ein Arbeitsplan aufgestellt:
Was wollen wir wann in welcher Zeit erreichen; wo kann ich Ihnen konkrete Unterstützung anbieten.

Es wurde eine Stärken-/Schwächenanalyse durchgeführt, Softskills ermittelt, berufliche Perspektiven erörtert, Bewerbungsunterlagen gesichtet und optimiert und Vorstellungsgespräche geprobt; alles in einem vorher fest vereinbarten Zeitrahmen.

Eine besondere Note bekam die PATENSCHAFT, als im März 2009 die Hildesheimer Allgemeine Zeitung einen Artikel  über das PATENMODELL veröffentlichte. Hier wurde sehr schön sowohl über das PATENMODELL als auch die Situation von Dennis Richter berichtet.

Ein 1,5 monatiges Praktikum bei der Ruhrkohle AG (RAG) in Herne und Bottrop brachte Dennis Richter noch nicht ans Ziel, eröffnet ihm aber neue Perspektiven. Die Arbeitsagentur förderte noch eine Ausbildung zum Qualitätsmanagementbeauftragten, weitere Bewerbungen wurden geschrieben und dann endlich kam der Durchbruch:durch sein immer größer werdendes Netzwerk, den Eindruck, den er während des Praktikums hinterlassen hatte und die guten Ideen und Hilfe aus der PATENSCHAFT, konnte er zum 01.01.2010 einen Arbeitsvertrag für eine unbefristete Stelle im Bereich Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz der Ruhrkohle AG unterschreiben.

Eine nette Danke-Mail beendete diese intensive aber letztendlich erfolgreiche PATENSCHAFT nach 10 Monaten.